Arbeitsgruppe Angsterkrankungen

Grundlagen und Therapie

Angst ist ein basales und für das Überleben des Individuums notwendiges Verhalten, welches sowohl beim Menschen als auch im Tierreich zu beobachten ist. Dies macht es der neurobiologischen Erforschung besser zugänglich als andere psychopathologische Veränderungen oder psychiatrische Erkrankungen. Angstphänomene unterschiedlicher Art sind beim Menschen in Kindheit und Adoleszenz als entwicklungstypische Übergangssyndrome weit verbreitet. Klinisch manifeste Angsterkrankungen sind jedoch wesentlich seltener, obwohl sie mit einem Lebenszeitrisiko von ca. 20% neben affektiven und Suchterkrankungen zu den drei häufigsten psychischen Störungsformen gehören.

Deskriptiv wird in den derzeit gültigen psychiatrischen Klassifikationssystemen (DSM-IV-R und ICD-10) zwischen der spezifischen, sozialen Phobie und Agoraphobie, sowie der Panikstörung, generalisierten Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörungen unterschieden. Trotz wirksamer Therapien wird nur ein kleiner Teil der Patienten auch suffizient behandelt. Zudem vergehen im Mittel sieben Jahre bis ein Patient mit einer Angststörung eine adäquate Therapie erhält. In Anbetracht knapper werdender Ressourcen im Gesundheitswesen müssen neue Wege gefunden werden, um bereits etablierte Behandlungsverfahren auch einem größeren Teil der Betroffenen zugänglich zu machen. Mit diesem Ziel wurde in der Arbeitsgruppe eine kognitiv-verhaltentherapeutische Gruppentherapie für Menschen mit Panikstörung mit/ohne Agoraphobie entwickelt. Das Konzept beinhaltet die Einbindung von Kompetenzen verschiedener Berufsgruppen sowie der Ressourcen der Betroffenen. Durch eine enge Vernetzung ambulanter, teilstationärer und stationärer Behandlungsangebote werden individuell gestaltete Therapien möglich.  

In der im Oktober 2002 eröffneten Spezialambulanz für Angsterkrankungen werden Patienten mit Angststörungen differentialdiagnostisch abgeklärt und psychotherapeutisch und/oder psychopharmakologisch behandelt, wobei ein klinischer Schwerpunkt bei der Panikstörung und Agoraphobie (Platzangst) liegt. Die Therapien werden zum Teil wissenschaftlich begleitet, mit dem Ziel der Erforschung der Physiologie und Pathophysiologie von Angst. Dadurch sollen optimierte und gezielte Behandlungen sowie die Prävention von Angsterkrankungen ermöglicht werden.  

In der Forschung der Arbeitsgruppe werden daher folgende Schwerpunkte gelegt:

  • Eine zentrale Rolle in der physiologischen Angstreaktion und der Pathophysiologie von Angsterkrankungen kommt dem Stresshormonsystem (d.h. Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden (HPA)-System und autonomen Nervensystem) zu. Dessen Modulation und Interaktion mit neuroaktiven Steroiden und dem GABAA-Rezeptorsystem können in Zusammenhang mit einer veränderten Stress- und Angstreaktion stehen, welche auch eine wesentliche Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung anderer psychischer Erkrankungen spielt. In Forschungsprojekten wird die Stressreaktion von Angstpatienten anhand verschiedener etablierter Biomarker untersucht.
  • Im Rahmen einer BMBF geförderten multizentrisch durchgeführten Psychotherapiestudie bei Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie werden bildgebende, genetische und elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Ebenfalls mit Unterstützung durch das BMBF wird erforscht, inwiefern die therapeutischen Effekte einer Psychotherapie durch eine pharmakologische Modulation (z.B. D-Cycloserin) verstärkt werden können.
  • Auch körperliche Aktivität und Sport können in der Entwicklung und Behandlung psychischer Störungen bedeutsam sein. In der Arbeitsgruppe werden daher z.B. die anxiolytischen Effekte von Sport und daran beteiligte Mechanismen untersucht.
  • Körperliche und psychische Erkrankungen können sich wechselseitig beeinflussen. Deshalb wird in Zusammenarbeit mit der Berlin School of Public Health und der Klinik für Kardiologie der Zusammenhang von koronarer Herzkrankheit mit psychischen Erkrankungen, wie z. B. Depressionen und Angststörungen, erforscht.

 

Ausführliche Informationen zur Diagnostik und Therapie sowie zu der biologischen Verursachung von Angststörungen finden Sie unter Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.angstambulanz-charite.de

Telefonische Kontaktaufnahme unter: 030- 450 517217 / 517244

 

Leiter

Prof. Dr. med. Andreas Ströhle

Mitarbeiter/innen

Dipl.-Psych. Katja Beer

Dipl.-Psych. Sophie Bischoff

Dipl.-Psych. Mira Ertl

Dipl.-Psych. Katharina Gaudlitz

Dipl.-Psych. Johanna Gechter

Dipl.-Psych. Carolin Liebscher

Dipl.-Psych. Brigitt-Leila

 von Lindenberger

M.Sc. Jennifer Mumm

Dr. med. Jens Plag

Dipl.-Psych. Lena Pyrkosch

Dipl.-Psych. Sarah Schumacher

Dr. rer. nat. Anja Siegmund

Dr. rer. medic. Meline Stoy

Dipl.-Psych. André Wittmann

Dipl.-Psych. Elisabeth Zschucke

 

Hospitanten/innen

Dipl.-Psych. Rosa Grützmann
Dipl.-Psych. Debora Transfeld

 

Doktoranden/innen und Diplomanden/innen

Isabel Alt

Heleen Blondeel

Nina Bothe

Sophie Elschner

Victoria Engelmann

Claudia Hägele

Dipl.-Psych. Dada Held

Andreas Hoffmann

Nicole Karl

Dipl.-Psych. Sinja Kastner

Lena Fátima Kuner

Meike Reichhold

Dietlinde Schmidt

Theresa Staden

Nicole Tänzer

 

Sekretariat

Doreen Lehmann
Tel. +49 30 450 517 062