Geschichte der Klinik

Neugestaltung des Foyers – Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus

Entsprechend dem Beschluss der Beiratssitzung des "Vereins zur Geschichte der Psychiatrie an der Berliner Charité e.V." vom 14. Mai 2007 konnte am 9. April 2008 der umgestaltete Hörsaal und das Foyer der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie/ Neurologie eingeweiht werden. Ziel der Umgestaltung war und ist es, die Geschichte der Psychiatrie an der Charité vor allem auch für die Zeit während des Nationalsozialismus in angemessener Form in der Nervenklinik darzustellen.

Mit einem kleinen Akt wurde die Skulptur von Frau Dorothea Buck, einer Künstlerin, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer der Zwangssterilisation geworden ist, eingeweiht. Sie steht jetzt direkt im Eingangsbereich der Klinik. Frau Buck schrieb dazu in einem Brief: "Die kleine Bronze Mutter und Kind als Modell einer 10- mal größeren Bronzegruppe drückt die Beziehung zwischen zwei Menschen aus, die auch in der heutigen Psychiatrie durch die immer noch unzureichenden Gespräche fehlt." Natürlich hoffen wir, dass Gespräche und Rücksicht auf den Willen der Patienten heute zum psychiatrischen Alltag gehören. Um der Skulptur einen angemessenen Rahmen zu geben, wurde das Foyer renoviert und eine Tafel zum Leben und Werk der Künstlerin, zu ihrem Engagement im Rahmen von Betroffeneninitiativen und Auszügen aus ihren Publikationen angebracht.

Die bis dahin im Foyer befindliche Galerie der ehemaligen Lehrstuhlinhaber wechselte in diesem Zusammenhang ihren Ort. Entsprechend dem oben genannten Beschluss waren die Portraits danach im Hörsaal zu besichtigen, da die Auseinandersetzung über die Geschichte der Psychiatrie und die Verbrechen im Nationalsozialismus auch eine über den Ge- und Missbrauch der Wissenschaften ist (Öffnet externen Link im aktuellen FensterKulturexpress). Die Galerie wurde im Zuge der Reproduktion der einzelnen Portraits im Sinne der Ehrlichkeit und Vollständigkeit des Umgangs mit der Geschichte entsprechend dem Beschluss des Beirats um die bis dahin fehlenden Portraits der Lehrstuhlinhaber in der Zeit des Nationalsozialismus ergänzt. 2013 wurde der Hörsaal umgestaltet, um die Idee der Aktion "Zerstörte Vielfalt" zu unterstützen, die an die im NS vertriebenen Kolleginnen und Kollegen erinnert (Öffnet externen Link im aktuellen Fenstermehr). Informationen zur Geschichte finden sich im Eingangsbereich des Hörsaals, der als öffentlich häufig genutzter Raum auch und insbesondere den Studierenden die Geschichte und die ethischen Fragen der Psychiatrie nahe bringen kann (Geschichtstafeln).

Geschichte der Klinik für Psychiatrie an der Charité

Die Psychiatrische Klinik besteht seit Anfang des 19. Jahrhunderts und wurde nach der Gründung der Berliner Universität 1810 in den folgenden Jahren der Medizinischen Fakultät angegliedert. Die Psychiatrie der Charité hat im 19. und 20. Jahrhundert in herausragender Weise das Fachgebiet Psychiatrie mitbestimmt. Die Klinik hat in ihrer über 200-jährigen Geschichte bedeutende Nervenärzte hervorgebracht. Zu nennen sind Wilhelm Griesinger (Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten),  Öffnet externen Link im aktuellen FensterKarl Bonhoeffer (akuter exogener Reaktionstyp) und Karl Leonhard (Aufteilung der endogenen Psychosen). 

In der Zeit des Nationalsozialismus waren wichtige Vertreter der Klinik an den Untaten des  Öffnet externen Link im aktuellen Fensternationalsozialistischen Regimes beteiligt. Der Verein zur Geschichte der Psychiatrie an der Berliner Charité e.V. und die  Öffnet externen Link im aktuellen FensterAG Critical Neuroscience der Klinik befassen sich mit deren Aufarbeitung. 

Weitere Informationen zur Geschichte der Klinik in der Zeit des Nationalsozialismus finden Sie  hier.

Das jetzige Gebäude der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie wurde 1900 errichtet.